Schüleraustausch verbindet Neuhaus und Wyoming

Juni 2026

Während Fußballfans derzeit alles daransetzen, ein Ticket für ein WM-Spiel in den USA zu ergattern, haben sieben Jugendliche aus dem US-Bundesstaat Wyoming den umgekehrten Weg gewählt: Statt Fußballstadien standen für Jack, Rihannon, Megan, Madison, Harley, Tavian und Remington zwei Wochen voller neuer Eindrücke in Neuhaus am Rennweg auf dem Programm. Die Schülerinnen und Schüler der Evanston High School besuchten als erste Austauschgruppe ihre neue Partnerschule, das Rennsteig-Gymnasium, und kehrten mit zahlreichen unvergesslichen Erlebnissen in ihre Heimat zurück – darunter auch einige rund um den Fußball.

Neue Schulpartnerschaft mit langer Tradition

Schüleraustausche mit den USA haben am Rennsteig-Gymnasium Tradition. Bereits vor einigen Jahren bestand eine Partnerschaft mit einer Schule in Waseca im Bundesstaat Minnesota. Wie damals wird auch die neue Kooperation über das German American Partnership Program (GAPP) ermöglicht – ein seit rund 50 Jahren bestehendes Förderprogramm des Pädagogischen Austauschdienstes der Kultusministerkonferenz.

Ein besonderer Meilenstein für das Gymnasium ist die neue Partnerschaft mit der Evanston High School. Die Lehrerinnen Lisa-Kristin Pohl und Sabrina Walther kennen das Austauschprogramm aus eigener Erfahrung: Beide nahmen bereits als Schülerinnen daran teil. Mit großem Engagement arbeiteten sie daran, den Austausch wiederzubeleben.

Unterstützung erhielten sie dabei von Remington Woodward, die im vergangenen Schuljahr fast ein Jahr am Rennsteig-Gymnasium verbrachte. Begeistert von ihren Erfahrungen in Neuhaus warb sie nach ihrer Rückkehr an ihrer Schule in Evanston für das Austauschprogramm. Auch ihre Eltern unterstützten das Vorhaben. Zusätzlich knüpften Pohl und Walther während einer Reise in die USA Kontakte zur Schulleitung und Elternvertretung der Evanston High School. Dort lernen rund 750 Schülerinnen und Schüler der Klassen neun bis zwölf. Neben Französisch und Spanisch wird auch Deutsch als Fremdsprache angeboten.

Zwei Wochen voller Begegnungen

Nach einer rund 24-stündigen Anreise wurden die sieben amerikanischen Jugendlichen am 6. Juni von ihren Gastfamilien sowie zahlreichen Schülerinnen und Schülern mit selbst gestalteten Plakaten herzlich am Rennsteig-Gymnasium empfangen.

Für den Aufenthalt hatten die Organisatorinnen ein abwechslungsreiches Programm zusammengestellt. Neben dem Unterricht lernten die Gäste zahlreiche Sehenswürdigkeiten Thüringens kennen. Auf dem Programm standen unter anderem Besuche des Thüringer Landtags in Erfurt, der Friedrich-Schiller-Universität Jena, der Veste Coburg sowie des Grenzlandmuseums in Gräfenthal. Weitere Ausflüge führten zu den Saalfelder Feengrotten sowie nach Hohenfelden zum Klettern und Minigolf.

Auch der Schulalltag kam nicht zu kurz. Bei einer Schulrallye und im gemeinsamen Unterricht konnten die Jugendlichen das deutsche Bildungssystem mit ihrer Schule in Wyoming vergleichen. Ein besonderer Höhepunkt war schließlich die Teilnahme an der feierlichen Übergabe der Abiturzeugnisse und der anschließenden Abiturfeier im Kulturhaus.

Empfang im Rathaus

Auch Neuhaus‘ Bürgermeister Uwe Scheler begrüßte die Gäste offiziell im Bürgerhaus. In englischer Sprache tauschte er sich mit ihnen über Wirtschaft, Kultur, Sport, Natur und das Leben in Neuhaus sowie Evanston aus. Dabei betonte er, dass bei einem Schüleraustausch vor allem die persönlichen Begegnungen und neuen Freundschaften im Mittelpunkt stehen. Anschließend durften sich die Jugendlichen und ihre Begleiter ins Goldene Buch der Stadt eintragen.

Gastfamilien sorgen für abwechslungsreiche Freizeit

Neben dem offiziellen Programm organisierten die Gastfamilien zahlreiche Freizeitaktivitäten. Familie Liebermann aus Ehnes zeigte ihrem Gast Tavian unter anderem den Blessberg, den Froschgrundsee, die Sommerrodelbahn sowie die Kartbahn in Marktzeuln. Trotz des dicht gefüllten Programms wurden die Wünsche der Gäste stets berücksichtigt – ein gegenseitiges Geben und Nehmen, wie die Familie den Austausch beschreibt.

Natürlich spielte auch Fußball eine Rolle. Martin Liebermann trainiert die Mannschaft in Effelder, Sohn Niklas spielt sowohl bei den A-Junioren der SG Sonneberg/Effelder als auch bei den Männern in Effelder, Tochter Marie steht für die Mädchenmannschaft in Sachsenbrunn auf dem Platz. Beide engagieren sich zudem als Schiedsrichter. Gemeinsam wurden während des Aufenthalts auch die Spiele der Klub-WM auf der Leinwand verfolgt.

Vorfreude auf den Gegenbesuch

Auch andere Gastfamilien ziehen ein durchweg positives Fazit. Adela Böhm, bei der bereits Remington während ihres Langzeitaufenthaltes wohnte, beherbergte diesmal deren Mutter, die die Schülergruppe begleitete. Dass in ihrer Familie ebenfalls Fußball großgeschrieben wird, passt gut zum internationalen Austausch – drei ihrer vier Kinder spielen aktiv.

Neben vielen gemeinsamen Erlebnissen bot der Besuch auch Gelegenheit, die eigenen Englischkenntnisse im Alltag anzuwenden und zu vertiefen. Bereits in der kommenden Woche bereiten sich die 17 Schülerinnen und Schüler des Rennsteig-Gymnasiums, die im September zum Gegenbesuch nach Evanston reisen, während eines interkulturellen Trainings auf ihre Reise vor. Mit dabei sind unter anderem Marie aus Ehnes und Klara aus Neuhaus.

Engagement macht Austausch möglich

Dass diese internationale Begegnung stattfinden konnte, ist dem großen persönlichen Einsatz der beteiligten Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler sowie ihrer Familien zu verdanken. Ebenso wichtig war die finanzielle Unterstützung zahlreicher Sponsoren aus Kleintettau, Lauenstein und Neuhaus am Rennweg sowie des Vereins der Freunde und Förderer des Rennsteig-Gymnasiums.

Schulleiter Björn Greiner dankte allen Unterstützern ausdrücklich. Ihr Engagement schaffe die Grundlage dafür, dass junge Menschen internationale Erfahrungen sammeln, neue Freundschaften schließen und den Blick über den eigenen Horizont hinaus erweitern können.

Basierend auf dem Artikel von Doris Hein